Wer nichts anpackt, der auch nichts bewegt

Katholische Traditionen

Katholische Tradition

Die Kirche wurde von Jesus Christus bewusst gestiftet, der seinen Jüngern den Auftrag gab, das Evangelium zu verkünden und die Menschen zu taufen. In der Kirche ist Christus selber bis an das Ende der Zeiten wirksam gegenwärtig. Die Kirche ist nicht erst im Rückblick auf die Ostererfahrung durch die ersten Gemeinden konstruiert worden. Als solche ist sie Gegenstand der grundlegenden Glaubensbekenntnisse und heißt dort die „eine, heilige, katholische und apostolische“ Kirche. Für die römisch-katholische Kirche ist der spirituelle Ursprungsort, aus dem die Kirche kommt, aus dem auch die Sakramente kommen, die mittels der Lanze des römischen Soldaten geöffnete Seite Jesu am Kreuz.

„Als sie aber zu Jesus kamen und sahen, dass er schon tot war, zerschlugen sie ihm die Beine nicht, sondern einer der Soldaten stieß mit der Lanze in seine Seite, und sogleich floss Blut und Wasser heraus.“ (a)

Der Evangelist Johannes hat dabei größte Sorgfalt walten lassen mit der Bestimmung des Todestages Jesu. Aus seinem Evangelium geht hervor, dass Jesus genau in der Stunde starb, in dem im Tempel der Juden die Osterlämmer für das Passafest geschlachtet werden. Dies soll bezeugen, dass die Zeit der Lämmer zu Ende ist, dass das wahre Osterlamm in der Gestalt Jesu Christi, Gottes Sohn gekommen ist. Für die Seite Jesu, die geöffnet wird hat der Evangelist das Wort verwendet, das in der Schöpfungsgeschichte bei dem Bericht über die Erschaffung Evas steht.

„Da ließ Gott, der Herr, einen tiefen Schlaf auf den Menschen fallen, sodass er einschlief, nahm eine seiner Rippen und verschloss ihre Stelle mit Fleisch.“ (Moses 2,21) (b)

Johannes will damit verdeutlichen, dass Jesus der neue Adam ist, der in die Nacht des Todesschlafes heruntersteigt und in ihr den Anfang der neuen Menschheit eröffnet. „Blut und Wasser, Eucharistie und Taufe als Quell und Ursprungsort einer neuen Gemeinschaft– der Kirche“.

Für die Angehörigen der katholischen Tradition (Vorreformatorische Kirchen) ist die Präsenz Christi in der Kirche ihrem Wesen nach sakramental erfahrbar. Sie ist Zeichen und Werkzeug des Heilshandelns Gottes in der Welt. Darum hat ihre geschichtliche Kontinuität und weltumspannende organische Einheit, garantiert durch die Bischöfe als Nachfolger der Apostel, theologische Relevanz. Für den persönlichen Glauben ist die Sakramentenpraxis entscheidend, die grundsätzlich an die Kirche als Organisationsform anknüpft. (c)

Nach orthodoxem und römisch-katholischem Glauben kann es nicht mehrere Kirchen nebeneinander geben. Entsteht ein Schisma, stellt sich für die Gläubigen die heilsrelevante Frage, wo die wahre Kirche ist. Nach Auffassung der römisch-katholischen Kirche ist sie selbst die Kirche Christi in voller Wirklichkeit, andere bischöflich geleitete Kirchen (vgl. Autokephalie) sind Teilkirchen; alle anderen christliche Gemeinschaften sind lediglich kirchliche Gemeinschaften, nicht jedoch (katholische) „Kirche im eigentlichen Sinn“. Die orthodoxe Kirche sieht dies für sich selbst entsprechend. Andere Kirchen der katholischen Tradition (anglikanisch, altkatholisch) haben einen offeneren Kirchenbegriff, der die Fragen nach den Grenzen der Kirche weitgehend ungeklärt lässt.

In der römisch-katholischen Ekklesiologie gilt der Papst als Inhaber des Primats unter den Bischöfen und nicht etwa als Primus inter pares. Der Papst ist, in der Nachfolge des Petrus, der eigentliche Bischof der Kirche, durch den die anderen Angehörigen des Bischofskollegiums erst in vollem Sinne bischöfliche Autorität erlangen. Dies wird von anderen Kirchen der katholischen Tradition (orthodox, anglikanisch, altkatholisch) verneint.

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