Wer nichts anpackt, der auch nichts bewegt

Die Baptisten

Baptisten

Als Baptisten werden die Mitglieder einer evangelischen Konfessionsfamilie bezeichnet, zu deren besonderen Merkmalen die ausschließliche Praxis der Gläubigentaufe ebenso gehört wie die Betonung, dass die Ortsgemeinde für ihr Leben und ihre Lehre selbst verantwortlich ist (Kongregationalismus). Dieses bedeutet, dass sie sich aus Spenden und Kollekten finanzieren und nicht, wie die beiden großen Staatskirchen, Kirchensteuern eintreiben lassen. Alles was diese Konfession ausmacht und darstellt kommt von den Mitgliedern selbst und wird demokratisch beschlossen.

Die erste Baptistengemeinde entstand 1609 in Amsterdam. In Deutschland ist der Baptismus seit 1834 vertreten, von wo aus er sich in viele Länder ausbreitete, auch innerhalb der Schweiz (ab 1847) und innerhalb Österreichs (ebenfalls ab 1847). Hauptverbreitungsgebiete der Baptisten, die heute zu den größten protestantischen Bekenntnisgemeinschaften gehören, sind Nordamerika und – in geringerem Maße – Afrika und Asien.

Name

Die Bezeichnung „Baptisten“ leitet sich vom griechischen (baptizein), was „untertauchen“ und im übertragenen Sinne „taufen“ bedeutet, ab, im Englischen dann 'to baptize („taufen“), baptism („Taufe“) und baptist („Täufer“). Die Täufer der Reformationszeit werden im englischen Sprachbereich anabaptists (wörtlich: „Wiedertäufer“) genannt, um sie von den späteren baptists („Baptisten“) sprachlich zu unterscheiden.

Bei dem Namen „Baptisten“ handelt es sich ursprünglich nicht um eine Selbstbezeichnung, sondern um einen Spottnamen, der später als Konfessionsbezeichnung übernommen worden ist. Auch deutsche Baptisten, deren Anfänge auf die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts zurückgehen, taten sich zunächst mit dieser von außen kommenden Bezeichnung schwer. Sie nannten sich anfangs „Evangelisch Taufgesinnte Gemeinden“ oder auch „Gemeinden gläubig getaufter Christen“.

Dass die meisten deutschen Baptistengemeinden sich heute als „Evangelisch-Freikirchliche Gemeinden“ bezeichnen, hängt nicht mit der Ablehnung des ehemaligen Spottnamens zusammen, sondern mit einem im Jahr 1942 erfolgten Zusammenschluss der deutschen Baptisten mit zwei anderen Freikirchen. Im Zusammenhang dieser Vereinigung gaben sie ihren Namen auf, führen ihn jedoch in einem Klammerzusatz weiter: „Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde (Baptisten)“.

Da es heute leider einige freikirchliche Gemeinden gibt, die zwar auch die Gläubigentaufe bevorzugen, jedoch andere Glaubensfragen überspitzen und so den Buchstaben über das Wort und bisweilen auch den Punkt über den Buchstaben stellen, ist es meiner Ansicht nach besser, man setze Evangelisch-Freikirchliche Gemeinden in Klammern und betone somit das Baptistentum.

Für alle Christen, egal welcher Gruppierung sie entstammen, sollte das Wort des Herrn und seine Verkündigung wichtiger sein als unser Dünkel.

Geschichte

Die biblische Gültigkeit der Säuglingstaufe wurde bereits in vorreformatorischer Zeit – etwa durch die Waldenser – in Frage gestellt. In der Reformationszeit waren es die Täufer (von ihren Gegnern polemisch als „Wiedertäufer“ bezeichnet), die die Säuglingstaufe verwarfen. Eine Taufe – so formulieren es die täuferischen Schleitheimer Artikel – sei nur dann biblisch und somit gültig, wenn die Täuflinge deren Sinn verstanden hätten, selber glaubten sowie die Taufe persönlich begehrten und forderten. Auch wenn die späteren Baptisten diese Taufauffassung und die dahinter stehende Ekklesiologie im wesentlichen übernahmen, dürfen sie nicht als direkte Nachfahren der Täuferbewegung angesehen werden. Auch wenn Christus selbst sagte, lasst die Kinder zu mir kommen, legte er damit nicht den Grundstein für die Säuglingstaufe, wie sie in den beiden großen Staatskirchen vorgenommen werden. Hiermit wollte er uns Erwachsenen und Eltern die Sorge dafür übertragen, dass wir den Kindern durch unser Verhalten und Lehren den Weg zu Christus und Gott nicht versperren. Er selbst hat sich erst im reifen Mannesalter von 30 Jahren taufen lassen.

Wäre die Säuglingstaufe ein zwingender Akt um als Christ seinen Weg zu gehen, dann hätte Gott dafür Sorge getragen, dass sein Sohn, Christus also, diese Taufe als Säugling erfahren hat. Da uns dieser Akt nicht überliefert wurde, ja auch die Jünger Jesu allesamt nicht getauft waren, hier genügt die persönliche Berufung durch Christus, ist die Säuglingstaufe ein unchristlicher Akt, welcher lediglich die Zahl der Mitglieder hoch halten soll.

Anfänge

Die Gründer der Baptisten waren beeinflusst von der englischen Reformation, die sich nach dem Tod Heinrich VIII. vor allem dem Einfluss des Calvinismus öffnete und schließlich eine eigenständige Ausprägung, den Puritanismus, entwickelte. Daraus formten sich sowohl innerhalb als auch außerhalb der Anglikanischen Kirche drei Kirchentypen: die Presbyterianer, die Kongregationalisten und die kongregationalistisch geprägten Separatisten, auch Dissenters genannt.

Zur letztgenannten Richtung gehörte auch die Gruppe von englischen Glaubensflüchtlingen, die sich 1608 unter der Leitung des ehemaligen anglikanischen Priesters John Smyth nach Amsterdam begeben hatte. Bald nach ihrer Ankunft konstituierte sich diese Gruppe als Gemeinde und entschied sich, um – so die Begründung – dem Wirken des Heiligen Geistes mehr Raum zu geben, gegen eine festgefügte gottesdienstliche Liturgie. Smyth führte knapp ein Jahr später die Gläubigentaufe ein als die seinem Verständnis nach biblische und daher allein gültige Taufe. Er sah diesen Schritt für sich und die von ihm Getauften als einen „Religionswechsel“ an: „Eine falsche Religion zu wechseln, ist zu empfehlen. An einer falschen Religion zu kleben, ist zu verdammen. [...] Die Separation muss entweder nach England (gemeint ist: in die anglikanische Kirche) zurück oder vorwärts zur wahren Taufe!“. Das Jahr 1609 gilt bei den Baptisten als das offizielle Gründungsjahr ihrer Konfessionsfamilie. Bei genauerer geschichtlicher Betrachtung muss jedoch von einem Entstehungsprozess ausgegangen werden, der 1609 seinen Anfang nahm und bis zirka 1641 andauerte.

Smyth hatte sich zunächst in Ermangelung eines Täufers selbst getauft, was ihm den Spottnamen self-baptist (Selbsttäufer) einbrachte, geriet darüber aber kurze Zeit später in einen Gewissenskonflikt. Er bat einen mennonitischen Geistlichen um die Glaubenstaufe, die er auch von diesem empfing. Während Smyth sich dadurch in der Folgezeit den sogenannten vaterländischen Mennoniten zuwandte, blieb sein Mitstreiter Thomas Helwys bei der anfänglich angenommenen Lehrvereinbarung, kehrte mit seinen Anhängern 1611 nach London zurück und gründete vor den Mauern der britischen Hauptstadt in Spitalfields 1612 die erste Baptistengemeinde Großbritanniens. Etwa gleichzeitig veröffentlichte er seine bereits 1610 abgefasste Schrift A Short Declaration of the Mystery of Iniquity, in welcher er sich unter anderem für die volle Religionsfreiheit des Individuums einsetzte und die Neutralität des Staates in Glaubens- und Gewissensfragen einforderte. Aufgrund dieser Schrift wurde Helwys verhaftet und ins Gefängnis verbracht, wo er nach einigen Jahren verstarb. Die von Helwys gegründete Gemeinde versuchte nach dessen Tod Verbindung zu den niederländischen Mennoniten aufzunehmen, wurden dort aber aufgrund nicht überbrückbarer Lehrgegensätze abgewiesen. Während die Mennoniten den Eid kompromisslos verweigerten, waren die Baptisten bereit, ihn unter bestimmten Umständen (zum Beispiel als Huldigungseid) zu leisten. Auch in der Übernahme von politischen Ämtern sahen die Baptisten kein unüberwindbares Problem. Weitere Gegensätze bestanden in Fragen der Natur Christi und im Amtsverständnis. Eine Verwaltung der neutestamentlichen Ordnungen (Abendmahl und Taufe) durch Laien war für die niederländischen Mennoniten nicht vorstellbar.

Neben der Ablösung vom Mennonitentum gehört auch eine innere Auseinandersetzung der jungen baptistischen Bewegung zum Entwicklungsprozess ihrer Gründungsgeschichte.

Krise und Wachstum

Bereits 1644 gab es allein in London – trotz Verfolgungen – sieben Baptistengemeinden. Die Wachstumsphase blieb allerdings nicht ohne Krisen. Es kam zu Lehrstreitigkeiten und damit ab 1641 zur Trennung zwischen arminianisch geprägten Gemeinden und solchen, die der calvinistischen Prädestinationslehre anhingen. Während die Erstgenannten mit dem Namen General Baptists bezeichnet wurden, gingen die anderen unter der Bezeichnung Particular Baptists in die Kirchengeschichte ein. Erst 1833 sollte diese Spaltung überwunden werden.

Trotz der Trennung hielt das starke Wachstum der Baptisten im Vereinigten Königreich bis 1689 an. Erst mit der Gewährung der allgemeinen Religionsfreiheit kam es zu einer gewissen Stagnation, die aber durch die Einflüsse der methodistischen Erweckungsbewegung überwunden wurde. Frucht dieser Bewegung war auch die von William Carey begründete Particular Baptist Missionary Society. Durch sie fand der Baptismus 1792 seinen Weg nach Asien und Afrika, wo das Engagement baptistischer Missionare innerhalb der britischen Kolonien 1838 zur Abschaffung der Sklaverei führte.

Theologische Richtungen

Der baptistische Kirchengeschichtler Hans Luckey machte darauf aufmerksam, dass – von Großbritannien als Ausgangspunkt betrachtet – der Baptismus sich zeitversetzt in zwei unterschiedliche geographische Richtungen ausbreitete: die Bewegung westwärts und die Bewegung ostwärts. Beide Richtungen hatten nach Luckey ihre jeweils besondere Prägung. Die Bewegung westwärts wurzelte in der puritanischen Gedankenwelt und ihren theologischen Konflikten. Hier kam es zu den typischen Auseinandersetzungen zwischen Arminianismus (General Baptists, Free Will Baptists) und Calvinismus (Particular Baptists, Primitive Baptists). Auch das politische Moment war hier von großer Bedeutung. Glaubens- und Gewissensfreiheit wurde vom absolutistischen Staat – nicht nur für die Angehörigen der eigenen Konfession – eingefordert und später als menschliches Grundrecht in den Verfassungen der Staaten Nordamerikas verankert. Auch wurde die Übernahme politischer Verantwortung ausdrücklich bejaht und gefördert. Die Bewegung ostwärts, die im ersten Drittel des 19. Jahrhunderts begann, stand unter dem Einfluss der methodistischen Erweckungsbewegung, der sich auf dem europäischen Kontinent mit pietististischen und quietistischen Elementen verband. Diese Bewegung, die über Johann Gerhard Oncken zunächst in Deutschland und von dort fast den gesamten kontinental-europäischen Raum bis hin zum Schwarzen Meer erreichte, war eher undogmatisch, apolitisch und primär auf die Evangelisierung der Gottfernen und Kirchendistanzierten ausgerichtet. Diese Unterschiede – so Luckey – sind auch heute noch spürbar.

Entwicklung in den Vereinigten Staaten

Neben dem Vereinigten Königreich waren die Vereinigten Staaten von Amerika ein weiterer Ausgangspunkt der baptistischen Bewegung. Wie viele andere Anhänger reformatorisch geprägter Glaubensbewegungen zogen es schließlich auch die Puritaner vor, in das Gebiet der späteren USA auszuwandern. Dort (Rhode Island) wurde 1639 unter der Leitung von Roger Williams eine erste Baptistengemeinde gegründet. Vor allem ab dem 18. Jahrhundert erlebten die dortigen Gemeinden des Nordens einen großen Aufschwung, unter anderem wegen ihrer kompromisslosen Haltung gegen den Sklavenhandel. Die Baptisten des Südens sahen das allerdings ganz anders. Obwohl sowohl die Schwarzen als auch die Weißen ganz überwiegend Baptisten waren, waren die Kirchen bis in die 1960er-Jahre fast durchweg rassisch getrennt, teilweise sind sie es noch heute. Im Süden der USA sind die Baptisten bis heute die dominante Konfession. Die Southern Baptist Convention (SBC) ist die größte protestantische Denomination in den USA. Der Baptismus bildet die zweitgrößte Konfession der USA nach dem Katholizismus.

Deutschland und Kontinentaleuropa

Im 19. Jahrhundert kehrte der Baptismus wieder nach Kontinentaleuropa zurück. Der aus Varel stammende Hamburger Kaufmann Johann Gerhard Oncken hatte sich zunächst auf einer Englandreise in einer methodistischen Gemeinde bekehrt. Nach Deutschland zurückgekehrt, kam er in Kontakt mit einem amerikanischen baptistischen Theologen, der die Gläubigentaufe an ihm vollzog. Oncken gründete am 23. April 1834 die erste Gemeinde in Hamburg, die zur Keimzelle vieler kontinentaleuropäischer Baptistenkirchen(a) wurde.

Verbreitung

In rund 160 Ländern der Welt existieren Baptistengemeinden mit zirka 47 Millionen getauften Mitgliedern. Konfessionsstatistiken rechnen Kinder und Freunde, die am Leben der Gemeinde teilnehmen, hinzu, um die Zahlen mit denen von Volkskirchen, die in der Regel die Säuglingstaufe praktizieren, in etwa vergleichbar zu machen. Danach sind zirka 100 Millionen Menschen in Baptistengemeinden geistlich beheimatet.

Allgemeiner Überblick

Die meisten nationalen Baptistenunionen gehören zum Weltbund der Baptisten (Baptist World Alliance / BWA). Bedeutsame Ausnahmen sind hier unter anderem der seit 2004 ausgetretene US-amerikanische Bund der südlichen Baptisten (Southern Baptist Convention) mit rund 11 Millionen getauften Mitgliedern und die Rückwanderergemeinden der russlanddeutschen Baptisten mit zirka 350.000 Mitgliedern. Die Zahl der Baptisten hat sich seit 1905 versiebenfacht. Die stärksten baptistischen Gruppen befinden sich in den USA, den Ländern der ehemaligen UdSSR sowie in Brasilien, Nigeria, Burma und in Indien. Der offizielle Name der deutschen Baptisten lautet seit 1941 Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden in Deutschland (BEFG). Dieser Gemeindebund bildet mit rund 85.000 getauften Mitgliedern (ohne Kinder und Freunde) in 836 Gemeinden die größte Freikirche in Deutschland.

Statistischer Vergleich 1894, 1958 und 2004

Eingangsbereich der Ersten Baptistengemeinde in Washington DC

Weltregion

Mitglieder 1894 (1)

Mitglieder 1958 (2)

Mitglieder 2004 (3)

Ortsgemeinden 2004

Afrika

6 392

279 241

6 126 307

25 389

Asien / Australien

131 947

769 875

4 718 530

25 937

Europa

450 429

1 142 127

793 507

12 973

Mittelamerika und Westindien

45 173

104 829

465 538

4 188

Nordamerika

3 989 876

19 804 632

17 901 569

61 817

Southern Baptist Convention(SBC) (USA) (4)

(unter Nordamerika enthalten)

16 053 006

-

 

Südamerika

729

146 988

1 447 745

10 126

Total

4 624 646

22 247 692

47 512 077 (incl. SBC)

zirka 210 000

1 Quelle für die Statistik 1894: Henry Vedder: Eine kurze Geschichte der Baptisten, Hamburg 1896, S. 147

2 Quelle für die Statistik 1958: J.D. Hughey, aaO, S. 140ff

3 Quelle für die Statistik 2004: Offizielle Statistik des Baptistischen Weltbundes

4 seit Oktober 2004 nicht mehr BWA-Mitglied!

Lehre

Ein wesentliches Merkmal der Baptisten ist nach wie vor, ausschließlich Gläubige zu taufen, was zur Ablehnung der Kindertaufe führt, welche nach ihrem Verständnis nicht dem biblischen Gebot entspricht. Ab einem entscheidungsfähigen Alter werden nicht nur Erwachsene, sondern auch Jugendliche getauft. Daher lehnen die Baptisten nicht nur die Babytaufe/ Kindertaufe sondern auch den Begriff Erwachsenentaufe ab und sprechen lieber von Glaubenstaufe.

Ein einheitliches baptistisches Glaubensbekenntnis existiert nicht. Große Übereinstimmung herrscht jedoch bei folgenden Prinzipien:

Für Lehre, Glauben und Leben ist die Bibel alleinige Richtschnur.

Die Gemeinde Jesu ist eine Schöpfung des Wortes Gottes. Die Verkündigung weckt, stärkt und korrigiert den Glauben des einzelnen Menschen und verlangt nach dessen Antwort. Die Verkündigung des Evangeliums ist die Voraussetzung dafür, dass ein Mensch zum Glauben kommen kann. Wer zum Glauben an Jesus Christus gekommen ist, wird eingeladen, sich aufgrund seines persönlichen Bekenntnisses taufen zu lassen.

Nicht die Taufe, sondern der persönliche öffentlich bekannte und mitgeteilte Glaube an Jesus Christus als Herrn und Erlöser ist heilsentscheidend. Hierbei ist es egal welchem Glauben die Eltern anhangen und ob es Paten für die Taufe gibt, denn die Taufe ist letztlich auch nur eine Sache zwischen dem Menschen und Gott. Dieses sind alles Merkmale, die ein Säugling und Kind bis zu einem bestimmten Alter weder bekunden noch nachhaltig darstellen kann.

Die örtliche Gemeinde der Glaubenden „verwaltet“ das Wort und die von Jesus Christus eingesetzten Zeichen Taufe und Abendmahl. Sie delegiert diese Aufgabe an einzelne Gemeindemitglieder beziehungsweise sind sie dem der Gemeinde zugehörigen Pastor/ Prediger zugeordnet.

Grundsatz ist das Priestertum aller Gläubigen. Alle Handlungen, auch Taufe, Abendmahl und Predigt, können grundsätzlich von jedem Gemeindemitglied vollzogen werden. Ganz wie es uns die Bibel, insbesondere das neue Testament übermittelt. Christus selbst, wie auch seine Jünger - die ersten Evangelisten - hatten nicht studiert und doch haben sie kraftvoll das Wort Gottes verkündet. Glaube und Verkündigung sind keine Wissenschaft, sie beruhen auf unserem Verhältnis und unserer Treue zu Gott, der dann den Einzelnen mit Befähigung zu bestimmten Diensten innerhalb der Gemeinde ausstattet.

Das Abendmahl wird als Gedächtnismahl verstanden, denn so hat es uns Christus aufgetragen: Das ist mein Leib für euch; das tut zu meinem Gedächtnis! Dieser Kelch ist der neue Bund in meinem Blute; das tut, sooft ihr daraus trinkt, zu meinem Gedächtnis (1.Korinther 11 Vers 23 bis 29).

Bei den Baptisten wird das Kreuz ohne Korpus dargestellt, da Jesus auferstanden ist. Nur das leere Kreuz kann von der Auferstehung Christi zeugen und uns zugleich signalisieren: der Herr lebt, ja er ist wahrhaftig auferstanden! Das Kreuz mit irdischen Körper Jesu zeigt einen Toten, was reflektorisch auf die, die dieses Zeichen für richtig erkennen, nur bedeuten kann, dass auch ihr Glaube tot ist. Doch das Evangelium hört nicht mit dem Tode Christi auf, sondern fängt dort eigentlich erst richtig an. Ostern, wäre eigentlich kein Ereignis, hätte das belegte Kreuz recht. Doch Ostern feiern wir, weil Christus von den Toten auferstanden ist und uns dadurch das Heil Christ werden zu dürfen zu teil wurde. Das leere Kreuz symbolisiert unser Leben in und bei Gott.

Baptisten sehen in der Evangelisation die vordringlichste Aufgabe sowohl des einzelnen Gemeindemitglieds (Johann Gerhard Oncken: „Jeder Baptist ein Missionar!“) als auch der Gemeinde und ihrer regionalen und nationalen Zusammenschlüsse. Evangelisation ist das öffentliche Angebot sich die Botschaft Christi anzuhören. Hierfür wird zu speziell dafür organisierter Vorträge in die Gemeinden (Kirchen /Versammlungsräume) eingeladen. Wer will, der kommt und hört. Das Evangelium ist für alle da, es muss ihnen aber auch nicht hinterher getragen oder gar geschmissen werden. Ganz wie Christus es auch getan hat, wird öffentlich die Botschaft Christi vorgetragen und jeder der davon Notiz nimmt kann sich frei entschieden, ob er sie sich nun anhören will oder. Genauso hat jeder, der diese Vorträge hört, die Freiheit sich dafür oder dagegen zu entscheiden. Das ist Evangelisation.

Baptisten treten weltweit für Glaubens- und Gewissensfreiheit des Menschen ein. Staat und Kirche sind zu trennen. Es ist zwar begrüssenswert, wenn christliche Überzeugungen und Merkmale die Politik beeinflussen und bereichern, doch darf die Kirche (Religion) nicht mit dem Staat vermischt werden, denn dann verkommt sie (Kirche/Religion) zum Spielball weltlicher Kräfte.

Keine Religion darf vom Staat bevorzugt behandelt werden (siehe dazu: Thomas Helwys, Roger Williams und Julius Köbner, das Manifest des freien Urchristentums von 1848) oder zum Vorteil einer anderen unterdrückt werden. Da Politik aber gerade hierfür anfällig ist, muss die Trennung von Staat und Kirche strikt eingehalten werden.

Die Theologie der Baptisten ist in vielen Kirchen evangelikal. Einflüsse des Calvinismus (Bundestheologie), der Erweckungsbewegung, des Puritanismus (im angloamerikanischen Raum) und des Pietismus (im deutschsprachigen Bereich) sind deutlich wahrnehmbar, häufig auch Ideen des Dispensationalismus. Zwischen einzelnen Baptistenbünden sowie lokalen Gemeinden kann es allerdings große Unterschiede geben.

Gottesdienst und Praxis

Die Gestaltung der Gottesdienste unterliegt keiner bestimmten Liturgie, wird also von jeder Gemeinde individuell gehandhabt. Die Verkündigung des Wortes Gottes steht aber klar im Vordergrund. Meistens teilt sich der Gottesdienst in einen Einleitungsteil, der von Gemeindemitgliedern oder -gruppen gestaltet wird, und einen Predigtteil. Die Predigt kann durchaus auch von Laien gehalten werden, was im Anfang lange Jahre grundsätzlich der Fall war. Für die Predigt bedarf es keines Studiums, sondern der Glaube und die Nähe zu Gott und Christus gibt uns die Fähigkeit das Wort Gottes auszulegen.

Die Musik ist oft modern, aber auch alte vielen Menschen bekannte Kirchenlieder werden gesungen. Einige Gemeinden sind charismatisch ausgerichtet. Ein wichtiges Element ist das offene Gebet in der Gemeinde, bei dem jeder Gottesdienstbesucher die Möglichkeit hat, laut mitzubeten. Für Kinder wird parallel zum Gottesdienst die Sonntagsschule angeboten.

Die Taufe geschieht durch vollständiges Untertauchen, wie sie uns in Matthäus 3, 13 bis 17 und Johannes 1, 19 bis 39 überliefert ist. Für die Taufe gibt es in den meisten Baptistenkirchen ein Baptisterium (Taufbecken). Viele Baptistengemeinden taufen auch gerne in freien Gewässern, weil dies der Urtaufe, welcher sich auch Christus unterzogen hat, entspricht. Man kann nur als gläubig Getaufter Mitglied einer Baptistengemeinde werden. Diese Taufe muss jedoch nicht in einer Baptistengemeinde vollzogen worden sein, sondern nachweislich auf seinen von ihm persönlich offenbarten Glauben statt gefunden haben.

Das Abendmahl betont die Gemeinschaft der Gläubigen untereinander und mit Jesus Christus. Eingeladen sind alle, die sich mit Gott und Menschen durch Jesus Christus versöhnt wissen. Es gilt die biblische Mahnung: „Darum prüfe sich ein jeder selbst und esse so von diesem Brot und trinke aus diesem Kelch!“ (1. Kor 11) Meist werden Teller mit gebrochenem Brot sowie Kelche mit Wein durch die Reihen gereicht. Häufig wird dabei aus Rücksicht auf Suchtkranke Traubensaft statt Wein gereicht. Auch andere Abendmahlsformen werden praktiziert.

Baptisten kommt es nicht so sehr auf die äußere Form des Gottesdienstes an, als vielmehr auf die intensive Gemeinschaft mit den anderen Gemeindemitgliedern und Jesus. Deshalb wird in vielen Gemeinden anschließend Kirchenkaffee oder sogar ein gemeinsames Mittagessen angeboten. Gäste sind, abgesehen von den Gemeindeversammlungen, wo über alle wichtigen Fragen des Gemeindelebens entschieden wird, zu allen Veranstaltungen willkommen.

Als Orte der persönlichen Begegnung gibt es Hauskreise. Diese bestehen aus etwa 8–10 Personen und treffen sich regelmäßig (meist wöchentlich oder 14-täglich). Wichtig dabei sind persönliche Anteilnahme an den Schicksalen der anderen Mitglieder und gemeinsames Wachsen im Glauben. Hier kommt auch das „Priestertum aller Gläubigen“ stark zum Ausdruck.

Organisation

Die Baptistenkirchen sind kongregationalistisch organisiert, d.h. die einzelnen Gemeinden sind in wesentlichen Fragen selbständig. Auf regionaler, nationaler und internationaler Ebene schließen sich Baptisten zu Arbeitsgemeinschaften, Vereinigungen und Bünden zusammen. Die lokale Gemeinde spielt jedoch im Selbstverständnis der Baptisten die entscheidende Rolle. Manchmal existieren in einer Stadt mehrere Baptistengemeinden, die aus geschichtlichen, ethnischen, theologischen oder praktischen Gründen zu unterschiedlichen nationalen oder internationalen Zusammenschlüssen gehören. Es ist durchaus möglich, dass – zum Beispiel im Rahmen der Evangelischen Allianz – eine örtliche Baptistenkirche zu konfessionell anders geprägten Gemeinden intensivere Kontakte unterhält als zu den anderen Ortsgemeinden baptistischen Bekenntnisses.

Die einzelnen Gemeinden finanzieren sich ausschließlich durch freiwillige Spenden und Mitgliederbeiträge. In Deutschland gehören die meisten Baptistengemeinden zum Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden. Die Baptisten in Österreich und in der Schweiz sind ebenfalls in nationalen Gemeindebünden organisiert: Bund der Baptistengemeinden in Österreich und Bund der Baptisten in der Schweiz. Mit den anderen baptistischen Unionen Europas und des Nahen Ostens gehören sie zur Europäisch-Baptistischen Föderation, der Untergliederung des Baptistischen Weltbundes.

Religions- und Gewissensfreiheit

Baptisten waren von Anfang an engagierte Vertreter der Religionsfreiheit. Das erste baptistische Glaubensbekenntnis (b) von 1610 erklärt, dass Jesus Christus „das Amt der weltlichen Regierung nicht mit den Ämtern seiner Kirche verbunden hat“. 1639 wurde in der von Baptisten besiedelten Kolonie Rhode Island – als erstem Land der Welt – völlige Religionsfreiheit garantiert. Neben den Quäkern setzten sich Baptisten dann später (1777) für die Aufnahme der Religionsfreiheit in die Verfassung der Vereinigten Staaten ein. In Deutschland vertrat Julius Köbner mit seinem Manifest des freien Urchristentums ähnliche Überzeugungen.

Ökumene

Die Baptisten unterhalten viele Kontakte zu anderen Kirchen, darunter Freikirchen, und internationalen Organisationen, und sind dadurch in die Ökumenische Bewegung eingebunden. „Jesus Christus baut seine Gemeinde in verschiedenen Kirchen und Gemeinschaften“, heißt es in einer BEFG-Bekenntnisschrift.

Sie engagieren sich in der Deutschen Evangelischen Allianz und gehören zu den Gründungsmitgliedern der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland.

Sie arbeiten auch in der Vereinigung Evangelischer Freikirchen.

In Italien gehören die Baptisten mit Lutheranern, Waldensern, Methodisten, der Heilsarmee und anderen zur Federazione delle chiese evangeliche in Italia.

In Schweden verabschiedeten Baptistenunion, Methodistenkirche und die reformierte Missionskirche im November 2007 eine „Absichtserklärung“, bis 2012 „eine neue gemeinsame Kirche zu bilden“.

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