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Atomkraftwerke in Deutschland

Atomkraftwerke in Deutschland

Informationen zu den AKW-Standorten und den jeweiligen Atommeiler folgen im Anschluss nach der Kartenübersicht!

 

Das AKW Brunsbüttel, Schleswig-Holstein

Der Reaktor des AKW Brunsbüttel ist einer von sechs Siedewasserreaktoren in Deutschland, die trotz der massiven Sicherheitsmängel noch immer laufen. Der Unfall von 2001 (s.u.) brachte nicht nur den Reaktortyp, sondern auch die Betreiber bezüglich der laut Gesetz zu prüfenden Zuverlässigkeit in Misskredit.

Typ: Siedewasserreaktor
Leistung: 806 MW
Inbetriebnahme: 1977
Laufzeitende nach dem Atom-Konsens: 9.2.2009

Betreibergesellschaft: Kernkraftwerk Brunsbüttel GmbH (66,7% HEW /Vattenfall Europe, 33,3% E.ON Kernenergie GmbH)


Ernsthafte Störfälle:
Am 14. Dezember 2001 zerriss ein Sicherungskühlrohr nach einer Wasserstoffexplosion auf über zwei Metern Länge. Das Kontrollpersonal ging von der harmlosesten Ursache, einer schadhaften Dichtung, aus. Das erst drei Monate später (nach den winterlichen Spitzenlastzeiten im Stromgeschäft) informierte Bundesumweltministerium ordnete die sofortige Abschaltung an.
Mehr dazu auf den Seiten des Umweltinstituts.

18.6. 1978: Durch ein Leck entwichen zwei Tonnen radioaktiver Dampf. Der Reaktor lief aber noch fast drei Stunden weiter, obwohl er innerhalb von fünf Minuten automatisch hätte abgeschaltet werden müssen.

Lokaler Widerstand:
Der Anti-Atom-Widerstand konzentriert sich in der Region in erster Linie auf den nahegelegenen AKW-Standort Brokdorf.

Das AKW Brokdorf, Schleswig-Holstein

Am AKW-Standort Brokdorf fanden seit den 1970er Jahren die heftigsten Auseinandersetzungen über die Atomenergienutzung in der Bundesrepublik statt. So demonstrierten 1981 rund 100.000 Menschen teils friedfertig, teils militant gegen Bau und Inbetriebnahme des Reaktors. Ihnen standen 10.000 Polizisten gegenüber, das bis dahin größte Polizeiaufgebot in der Geschichte der BRD. Das Verbot dieser Demonstration beschäftigte danach noch lange die Gerichte, bis es vom Bundesverfassungsgericht schließlich als verfassungswidrig eingestuft wurde. Das AKW Brokdorf wurde 1986 nach der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl ans Netz genommen.


Typ: Druckwasserreaktor
Leistung: 1383 MW (Im Jahre 2000 mit dem AKW Grohnde das nach Isar 2 zweitgrößte AKW der Welt)
Inbetriebnahme: 1986
Laufzeitende nach dem Atom-Konsens: 22.12.2018
Betreibergesellschaft: Kernkraftwerk Brokdorf GmbH (80% E.ON Kernkraft, 20% HEW /Vattenfall Europe)

Ernsthafte Störfälle sind keine bekannt geworden. Im November 1995 rammte und beschädigte ein Frachter das Kühlwasserbauwerk des AKW an der Elbe.

Das AKW Greifswald, Block 1-5, Mecklenburg-Vorpommern

Das AKW "Bruno Leuschner" in Greifswald war ein Vorzeigeprojekt der ehemaligen DDR. Im Zuge der Wiedervereinigung wurden die fünf Kraftwerksblöcke 1990 still gelegt. Die Pläne für drei weitere Blöcke wurden fallengelassen. Die Rückbauarbeiten werden sich voraussichtlich bis 2030 erstrecken. Die Sicherheitsnachrüstung dieser Reaktortypen sowjetischer Bauart war den Energieversorgern im Westen im Zusammenhang mit der Überkapazität am deutschen Strommarkt sowie dem örtlichen Widerstand zu teuer.
In Greifswald ist seit März 1998 ein Zwischenlager in Betrieb, das ursprünglich nur für schwach bis mittel radioaktive Abfälle geplant war. Gleichwohl ist dort 2001 der erste Castor mit hochaktivem Müll angekommen.

Typ: WWER-Druckwasserreaktoren
Nennleistung: je 408 MW
Inbetriebnahmen: zwischen 1973 und 1989
Stillegung: 1990
Betreibergesellschaft: Energiewerke Nord; für geplantes Zwischenlager: PreussenElektra AG

Ernsthafte Störfälle:
Am 24. November 1989 überbrückte ein Elektriker „probehalber“ einen Schaltkreis – das in der Folge ausbrechende Feuer beschädigte die Sicherungsanlagen schwer, nur knapp konnte eine Kernschmelze wie bei der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl verhindert werden.

Lokaler Widerstand:
Massiver Widerstand aus der Bevölkerung bewirkte im Zuge der Wende die Stillegung. 1998 gab es mehrfach Proteste gegen die Inbetriebnahme des Zwischenlagers, 2001 blockierten DemonstrantInnen den ersten Castortransport von Rheinsberg ins Zwischenlager


Das AKW Krümmel, Schleswig-Holstein

Bundesweite Schlagzeilen machte Krümmel durch Meldungen um erhöhte Krebsraten im Wohnbereich rund um das AKW. Das Umweltinstitut rechnete die Ergebnisse einer Studie des Bremer Institut für Präventionsforschung und Sozialmedizin nach und stellte eine Häufung von Blutkrebs bei Kindern um das AKW fest. Eine um den Faktor 2,1 erhöhte Häufung von akuter Leukämie bei Männern war hiernach signifikant, d.h. nicht zufällig. Ungeklärt blieb, ob ein Brand im nahe gelegenen Forschungszentrum GKSS im Jahre 1986 mit den Häufungen zusammen hängen könnte. Aufgrund von ungewöhnlichen Schwermetallverunreinigungen im Umkreis vermutete eine Krebs-Untersuchungskommission „geheimgehaltene kerntechnische Sonderexperimente“.


Krümmel ist einer von sechs Siedewasserreaktoren in Deutschland, die trotz der allgemeinen Sicherheitsmängel noch immer laufen. Durch eine Investition von 50 Mio. Euro wird die Leistung der vier Turbinen gesteigert, ab 2006 wird der Meiler eine Leistung von mehr als 1400 Megawatt haben. Krümmel wird damit zum größten Siedewasserreaktor in Deutschland.

Typ: Siedewasserreaktor
Nennleistung derzeit: 1316 MW
Inbetriebnahme: 1984
Laufzeitende nach dem Atom-Konsens: 28.3.2016
Betreibergesellschaft: Kernkraftwerk Krümmel GmbH (50% Vattenfall Europe, 50% E.ON Kernkraft GmbH)

Ernsthafte Störfälle: keine bekannt geworden

Lokaler Widerstand:
In Krümmel formierte sich zunächst gegen den Bau und Betrieb des AKW lokaler Widerstand, dem die Krebsmeldungen dann Auftrieb gaben. Ab den 1990er Jahren fanden hier Demonstrationen und Blockaden gegen die Atommülltransporte sowie eine gewaltfreie, öffentlich angekündigte Schienenanschlussdemontage statt.

 

Das AKW Esenshamm/Unterweser, Niedersachsen

Das AKW Esenshamm / Unterweser, Niedersachsen
Im Vorfeld der Errichtung des AKW Esenshamm gab es Anfang der 1970er Jahre die ersten, zu diesem Zeitpunkt noch lokal begrenzten Anti-Atom-Proteste.


Typ: Druckwasserreaktor
Nennleistung: 1300 MW
Inbetriebnahme: 1979
Laufzeitende nach dem Atom-Konsens: 6.9.2011
Betreibergesellschaft: Kernkraftwerk Unterweser GmbH (100% E.ON Kernkraft GmbH)

Ernsthafte Störfälle:
Am 6. Juni 1998 kam es in Esenshamm zu einer Kette von Bedienungsfehlern bei der Suche nach einem Leck im Turbinenölsystem. Ein Sicherheitsventil war abgeschaltet und danach vergessen worden. In der Folge lebte eine neue Kontroverse um die Atom-Gefahren im Zusammenhang mit menschlicher Achtlosigkeit auf.

Lokaler Widerstand:
Gegen das nahe bei Bremen liegende AKW Unterweser gab es schon in der Bauphase erheblichen Widerstand aus der Bevölkerung, u.a. eine Sammlung von 40.000 Protestunterschriften im Jahre 1971.

Das AKW Stade, Niedersachsen

Dieser Reaktor der ersten Generation wurde im Zuge des Atom-Konsens 2003 endgültig abgeschaltet. Dies war auch eine wirtschaftliche Entscheidung des Betreibers, der Strommengen vom AKW Stade auf neuere AKW verlagert hat.


Typ: Druckwasserreaktor
Nennleistung: 662 MW
Inbetriebnahme: 1972
Stillegung: 2003
Betreibergesellschaft: Kernkraftwerk Stade GmbH (66,7% E.ON Kernkraft GmbH, 33,3% Vattenfall Europe/HEW)

Ernsthafte Unfälle: keine bekannt geworden

Das AKW Rheinsberg, Brandenburg

Der Meiler von Rheinsberg wurde 1990 im Zuge der Wiedervereinigung stillgelegt und soll bis zum Jahr 2010 abgebaut sein. Laut IPPNW werden die Gesamtkosten der Stilllegung auf rund 400 Millionen Euro beziffert. Die Sicherheitsnachrüstung dieses Reaktortyps sowjetischer Bauart war im Zusammenhang mit der Überkapazität am deutschen Strommarkt auch den Energieversorgern im Westen zu teuer.


Typ: Röhren-Druckwasserreaktor
Nennleistung: 63 MW
Inbetriebnahme: 1960
Stillegung: 1990
Abbruchsgesellschaft: Energiewerke Nord GmbH

Ernsthafte Unfälle: In den 1970er Jahren gelangte über Jahre hinweg schwach bis mittel radioaktiv verseuchtes Wasser aus dem örtlichen Zwischenlager ins Grundwasser. Der Standort gilt nach wie vor als kontaminiert.

Lokaler Widerstand:
Obwohl längst abgeschaltet, führte in Rheinsberg der Abtransport radioaktiven Mülls im Mai 2001 erstmals auch in einem ostdeutschen Bundesland zu größeren Protesten. Hintergrund war die befürchtete Etablierung des Zwischenlagers Greifswald als Atommülllager.

Die AKW Lingen/Ems und Emsland, Niedersachsen

Im Vergleich zu anderen AKW-Standorten wie Krümmel oder Brokdorf blieb es um den Standort Emsland trotz seiner Leistungsgröße relativ ruhig.


Gleichwohl geht auch von diesem AKW die fortwährende Freisetzung radioaktiver Substanzen sowie das stete Risiko eines Atomunfalls aus.

Typ: Druckwasserreaktor
Leistung: 1314 MW
Inbetriebnahme: 1988
Laufzeitende nach dem Atom-Konsens: 20.6.2020
Betreibergesellschaft: Kernkraftwerke Lippe-Ems GmbH (87,5% RWE Power AG, 12,5% E.ON Kernenergie GmbH)

Ernsthafte Störfälle :
keine bekannt geworden


Am Standort Lingen gab es seit 1977 bundesweit die ersten Hinweise auf eine Erhöhung der Krebsraten, die aufgrund geringer Zahlen sowie umstrittener Kriterien jedoch ohne klares Ergebnis blieben. Das AKW wurde 1977 stillgelegt.

Typ: Siedewasserreaktor
Nennleistung: 255 MW
Inbetriebnahme: 1968
Stillegung: 1977
Betreibergesellschaft war die Kernkraftwerke Lippe-Ems GmbH
(87,5% RWE Power AG, 12,5% E.ON Kernenergie GmbH)

Ernsthafte Störfälle :
keine bekannt geworden

Das AKW Grohnde, Niedersachsen

Im Sommer 2001 kam über Indymedia der Bericht eines ehemaligen Mitarbeiters der Qualitätssicherung an die Öffentlichkeit, nach denen diverse Qualitätsprüfungen – etwa an Schweißnähten beim Reaktorbau – mit echten Prüfstempeln vom TÜV oder abgeänderten Prüfprotokollen gefälscht wurden. Auch wurden Qualitätsprüfungen qua Röntgen ohne Schutz von Arbeitern durchgeführt. Eine ungewöhnlich hohe Zahl von technischen Direktoren starb mit den Jahren an Krebs.


Typ: Druckwasserreaktor
Mit einer Nennleistung von 1360 MW war Grohnde im Jahre 2000 das zweitgrößte Leistungs-AKW der Welt.
Inbetriebnahme: 1985
Laufzeitende nach dem Atom-Konsens: 1.2.2017
Betreibergesellschaft: Gemeinschaftskraftwerk Grohnde GmbH (50% E.ON Kernkraft GmbH, 50% Gemeinschaftskraftwerk Weser GmbH)

Ernsthafte Störfälle:
1985 fiel bei einer Revision auf, dass das Hochdruck-Notkühlsystem nicht funktionsfähig war, weil eine der vier Pumpen Gas statt Wasser enthielt. Ein Leck im Primärkühlkreislauf hätte somit zur Kernschmelze und damit zum Super-GAU führen können.

Lokaler Widerstand zeigte sich in vielfältigen Aktionen, etwa bei einer Demonstration von rund 15.000 AKW-GegnerInnen im März 1977, die mit schweren Zusammenstößen mit der Polizei bundesweit in die Schlagzeilen kam.

Das AKW Stendal 1-4, Sachsen-Anhalt

Das AKW Stendal ging nie ans Netz und wird seit 1993 abgerissen.

Typ: Druckwasserreaktor
Nennleistung: geplant waren 4 x 1000 MW
Inbetriebnahme: Baubeginn war 1972
Betreibergesellschaft: Altmark Industriegesellschaft mbH
Ernsthafte Unfälle: keine bekannt geworden

Lokaler Widerstand: Besonders nach der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl kam in der DDR verstärkt Kritik an der Atomkraft auf, die sich auf den Neubau in Stendal konzentrierte. So organisierte die Gruppe 'Energiewende Stendal' verschiedene Aktionen zivilen Ungehorsams. Nach einer Studie des sachsen-anhaltinischen Stasibeauftragten benannte das Ministerium für Staatsicherheit zwar intern selbst bauliche Mängel der Reaktorblöcke Stendal. Trotzdem wurden Mitglieder der Initiative mit verschiedenen geheimdienstlichen Mitteln ausgehorcht und zu beeinflussen versucht.

Das AKW Hamm-Uentrop, Nordrhein-Westfalen

Nach nur vier Jahren Betriebszeit wurde das AKW 1989 stillgelegt, nachdem sich erhebliche Konstruktions- und Sicherheitsmängel herausstellten.


Typ: Thorium-Hochtemperaturreaktor
Nennleistung: 296 MW
Inbetriebnahme: 1985
Stillegung: 1989
Betreibergesellschaft war seinerzeit die Hochtemperaturreaktorgesellschaft mbH (26% Gemeinschaftskraftwerk Weser GmbH, 26% Elektromark Kommunales Elektrizitätswerk Mark AG, 33% VEW Energie AG, 12% Gemeinschaftswerk Hattingen GmbH, 5% Stadtwerke Aachen AG)

Ernsthafte Störfälle:
Am 4.5. 1986, von den Tschernobyl-Nachrichten fast überlagert, entwich kontaminiertes Helium durch den Stau in einem Zuleitungsrohr zum Reaktorkern. Die lokale Radioaktivitätsmessung ergab das Vierfache der Strahlenbelastung durch die Wolke von Tschernobyl.

Das AKW Kalkar, Nordrhein-Westfalen

Das AKW Kalkar, Nordrhein-Westfalen
Für diesen 1973 in Bau gegangenen „Schnellen Brüter“ kam 1991, noch vor der Inbetriebnahme, das endgültige Aus. An einer Klage gegen den Reaktor machte sich das ‚Kalkar-Urteil’ des Bundesverfassungsgerichts fest, das die Schutzrechte der Bevölkerung deutlich gegenüber den Rechten der BetreiberInnen auf profitorientierte wirtschaftliche Verwertung betonte. Die ebenfalls in diesem Urteil festgelegte Verpflichtung, die Sicherheitsstandards stetig auf dem neusten Stand zu halten, wurden später im Zuge des Atom-Konsens’ stark verwässert.


Typ: Schneller Brüter
Nennleistung: 300 MW
Inbetriebnahme: nie
Betreibergesellschaft: seinerzeit Schnell-Brüter-Kernkraftwerk GmbH (unter 69%-Mehrheit der RWE Energie AG)

Ernsthafte Störfälle: keine bekannt geworden

Lokaler Widerstand:
Ab 1977 erlebte das niederrheinische Städtchen mehrere Großdemonstrationen. Dies sowie der fortwährende, zähe Protest auch von Teilen der Bevölkerung sowie das Umdenken nach der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl verhinderten schließlich die Inbetriebnahme.

Das AKW Würgassen, Nordrhein-Westfalen

Das an der Landesgrenze von NRW und Niedersachsen liegende AKW Würgassen war lange der größte Siedewasserreaktor Europas. Er wurde 1994 stillgelegt, da die Sanierung von Rissen im Reaktorkern den Betreiben zu kostspielig war.

Typ: Siedewasserreaktor
Nennleistung: 640 MW
Inbetriebnahme: 1971
Stillegung: 1994
Betreibergesellschaft: E.ON Kernkraft GmbH

Ernsthafte Unfälle: keine bekannt geworden

Das AKW Mülheim-Kärlich, Rheinland-Pfalz

Nach nur einem Jahr Betrieb wurde das AKW Mülheim-Kärlich nach einem Gerichtsbeschluss 1988 abgeschaltet. Dennoch ging 13 Jahre später ein Stromkontingent für diese Atomanlage in den Atom-Konsens-Vertrag ein. Das AKW gilt mit rund 7 Mrd. DM als der für die deutschen StromkundInnen teuerste Irrtum der AKW-Geschichte. Durch Finanzierung über eine eigens in Luxemburg gegründete Tochter-Gesellschaft lohnte sich das Projekt dennoch für den Betreiber. Es wird geschätzt, dass RWE und die Deutsche Bank durch Steuervorteile umgerechnet je rund 50 Mio. Euro Gewinn trotz weitgehendem Nichtbetrieb des Kraftwerks gezogen haben.


Typ: Druckwasserreaktor
Nennleistung: 1302 MW
Inbetriebnahme: 1987
Stillegung: 1988
Betreibergesellschaft: RWE Energie AG

Ernsthafte Störfälle: keine bekannt geworden


Lokaler Widerstand:
Demonstrationen, Sit-Ins aber auch Klagen von Privatpersonen wie Kommunen führten zusammen mit den besonderen Risiken durch den Standort auf einer Erdbebenspalte schließlich zum juristischen Erfolg: der dauerhaften Entziehung der Betriebsgenehmigung.

Das AKW Grafenrheinfeld, Bayern

Anfang der 1980er Jahre war Grafenrheinfeld das AKW mit der weltweit höchsten Strom- und, dementsprechend, auch der höchsten Atommüllproduktion. Grafenrheinfeld war zudem 2003 als Standort eines neuen Druckwasser-Reaktortyps im Gespräch.


Typ: Druckwasserreaktor
Nennleistung: 1275 MW
Inbetriebnahme: 1982
Laufzeitende nach dem Atom-Konsens: 17.6.2014
Betreibergesellschaft: E.ON Kernkraft GmbH

Ernsthafte Störfälle : keine bekannt geworden

Lokaler Widerstand gegen das AKW kam schon ab 1972 auf, die heutige BA BI untersucht selbsttätig Strahlenbelastung und Krebsfälle in der Region.

Das AKW Biblis A, Hessen

Um einen möglichen Widerruf der Betriebsgenehmigung für den Block A gab es 1996 ein zähes Ringen mit dem grün geführten hessischen Umweltministerium. 1997 wies das Bundesumweltministerium dieses schließlich an, die Genehmigung nicht zu widerrufen. Immer wieder kam es aufgrund technischer Pannen zur erhöhten Freisetzung radioaktiver Substanzen.

Typ: Druckwasserreaktor
Nennleistung: 1149 MW
Inbetriebnahme: 1975
Laufzeitende nach dem Atom-Konsens: 26.2.2007
Betreibergesellschaft: RWE Energie AG

Ernsthafte Störfälle:
Am 16.12. 1987 traten 107 Liter radioaktives Kühlwasser aus. Der Vorfall kam erst nach einem Jahr ans Tageslicht. In der Folge kam es zu heftigen Diskussionen über die durch weitere Überhitzung erhöhte Wahrscheinlichkeit eines GAU.

Lokaler Widerstand gegen das AKW Biblis regte sich im Zuge der den Blöcken A und B schnell folgenden Pläne für weitere Blocks. Nach über 55.000 Einwendungen von BürgerInnen und im Zusammenhang von Demonstrationen mit bis zu 20.000 Menschen ließ RWE diese Pläne 1994 schließlich fallen.

Der Block B

Gegenüber den kontroversen Auseinandersetzungen zwischen Landes- und Bundesaufsicht um Block A, blieb es um Block B auf dieser Ebene relativ ruhig. Doch auch in diesem Meiler kam es immer wieder zur unkontrollierten Freisetzung radioaktiver Partikel. Zwei neuere Studien stellen erhebliche Mängel im Sicherheitssystem fest, mit denen der Block B nicht dem internationalen Sicherheitsstandard für Altanlagen der IAEO entspricht.

Typ: Druckwasserreaktor
Leistung: 1238 MW
Inbetriebnahme: 1977
Laufzeitende nach dem Atom-Konsens: 31.1.2009
Betreibergesellschaft: RWE Energie AG

Ernsthafte Störfälle:
Am 23. Februar 1995 trat radioaktiver Wasserdampf durch einen Riss im Primärkühlsystem aus. Ein Vollabriss der Leitung hätte einen GAU bewirken können.
Lokaler Widerstand gegen das AKW Biblis regte sich im Zuge der den Blöcken A und B schnell folgenden Pläne für weitere Blocks. Nach über 55.000 Einwendungen von BürgerInnen und im Zusammenhang von Demonstrationen mit bis zu 20.000 Menschen ließ RWE diese Pläne 1994 schließlich fallen.

Das AKW Obrigheim, Baden-Württemberg

Nach dem Atom-Konsens sollte das AKW Obrigheim bereits im Januar 2003 abgeschaltet werden. Dies wurde jedoch durch die Umlagerung von Reststrommengen (link) hinausgezögert, die Anlage ist nunmehr seit Mai 2005 endgültig abgeschaltet.


Typ: Druckwasserreaktor
Nennleistung: 300 MW
Inbetriebnahme: 1969
Stillegung: 2003
Eigentümer: EnBW (63 Prozent), Neckarwerke Stuttgart (24 Prozent), Karlsruhe (5 Prozent), sechs weitere Gesellschafter

Ernsthafte Störfälle: keine bekannt geworden

Das AKW Philippsburg 1, Baden-Württemberg

Nach den Zahlen einer Studie des Umweltinstituts München ist die Kinderkrebsrate im Umfeld des AKW Philippsburg fast doppelt so hoch wie im Umland.


Auch Philippsburg 1 zählt zu jenen sechs Siedewasserreaktoren in Deutschland, die trotz gravierender Sicherheitsmängel noch immer laufen.
Typ:Siedewasserreaktor
Nennleistung: 900 MW
Inbetriebnahme: 1980
Laufzeitende nach dem Atom-Konsens: 26.3.2012
Betreibergesellschaft:

Ernsthafte Störfälle:
1983: Wegen Lecks in etwa 20 Brennelementen gelangte radioaktives Jod-131 in die Umwelt.

Lokaler Widerstand kristallisiert(e) sich besonders an den Atommülltransporten vom Kraftwerk.

Der Block 2

Sechs Monate und die Fristsetzung der Staatsanwaltschaft bedurfte es im Juni 2004, bis die Energie Baden-Württemberg (EnBW) den Auflagen der Landesbehörden nachkamen und die Sicherheitslücken im Falle eines Kühlmittelverlustes in Block 2 beseitigten.

Typ: Druckwasserreaktor
Nennleistung: 1349 MW
Inbetriebnahme: 1985
Laufzeitende nach dem Atom-Konsens: 18.4.2017
Betreibergesellschaft:

Ernsthafte Unfälle:
Im August 2001 wurde der Reaktor hochgefahren, obwohl (unbemerkt) das Notkühlsystem nicht in Funktion war. Auch nachdem dies zwei Wochen später bemerkt wurde, blieb Block 2 rechtswidrig angeschaltet. In den folgenden Untersuchungen kam heraus, dass das Notkühlsystem über Jahre hinweg nicht ordnungsgemäß befüllt gewesen war. Bei Problemen mit der Neutronenregulation kann dies zum Super-GAU führen.

 

Das AKW Neckarwestheim 1, Baden-Württemberg

1998 kam das AKW in die Medien, nachdem an Atommüll-Behältern aufgrund von radioaktiven Verschmutzungen das Vielfache der zulässigen Strahlungsmengen festgestellt wurde. Polizei, Bahnpersonal und andere Betroffene waren nach einer Studie des Öko-Instituts Darmstadt einer rechtswidrigen Strahlenbelastung ausgesetzt: die Grenzwerte der Strahlenschutzverordnung wurden bis zu 4.350fach überschrittenen.


Typ: Druckwasserreaktor
Nennleistung: 855 MW
Inbetriebnahme: 1976
Laufzeitende nach dem Atom-Konsens: 1.12.2008
Betreibergesellschaft: Gemeinschaftskernkraftwerk Neckar GmbH (Beteiligte: Deutsche Bahn AG, Energie-Versorgung Schwaben AG, Neckarwerke Stuttgart AG, ZEAG Zementwerk Lauffen - Elektrizitätsversorgung Heilbronn AG)

Ernsthafte Störfälle: keine bekannt geworden

Lokaler Widerstand:
In Neckarwestheim konzentrierte sich der Protest in den letzten Jahren auf Aktionen rund um die Atommülltransporte, daneben wurden Kraftwerksbesetzungen und Mahnwachen, auch gegen das Zwischenlager, organisiert.

Der Block 2

Siehe Neckarwestheim 1

Typ: Druckwasserreaktor
Nennleistung: 1365 MW
Inbetriebnahme: 1989
Laufzeitende nach dem Atom-Konsens: 15.4.2021
Betreibergesellschaft: Gemeinschaftskernkraftwerk Neckar GmbH (Beteiligte: Deutsche Bahn AG, Energie-Versorgung Schwaben AG, Neckarwerke Stuttgart AG, ZEAG Zementwerk Lauffen - Elektrizitätsversorgung Heilbronn AG)

Ernsthafte Unfälle:
Am 27. Juli 2004 gelangte kontaminiertes Wasser aus Block II unbemerkt in den Neckar. Die Betreiber mussten ein Ordnungsgeld von 25.000 € zahlen, ein Geschäftsführer wurde entlassen.

Das AKW Gundremmingen A, Bayern

Der Block A wurde 1980 nach einer unfallbedingten radioaktiven Verseuchung stillgelegt.

Typ: Siedewasserreaktor
Nennleistung: 237 MW
Inbetriebnahme: 1967
Stiilegung: 1980
Betreibergesellschaft: Kernkraftwerk RWE-Bayernwerk GmbH


Ernsthafte Unfälle:
1975 starben zwei Arbeiter durch austretenden radioaktiven Dampf aus dem Primärkühlkreislauf.
1977 rissen beide vom AKW wegführenden Stromleitungen, in der Folge traten 200 Kubikmeter stark radioaktives Wasser aus dem Reaktor aus und verseuchten das Gelände dermaßen, dass eine Sanierung sich nicht mehr rechnete – Gundremmingen A wurde daher 1980 still gelegt.


Lokaler Widerstand:
Im Zuge dieser Unfälle formierte sich lokaler Widerstand bis in die Kreise der örtlichen PolitikerInnen. Seit 1991 werden regelmäßig Atommülltransporte aus den anderen AKW in Gundremmingen zum Zwischenlager Gorleben blockiert.

Der Block B

Der Reaktor B des AKW Gundremmingen ist einer von sechs Siedewasserreaktoren in Deutschland, die trotz der massiven Sicherheitsmängel noch immer laufen. Nach einer Studie des Umweltinstituts München häufen sich um das AKW herum Fälle von Krebs infolge der erhöhten radioaktiven Strahlung. So ist die Kinderkrebsrate im Wohnumfeld von 15 km um das AKW signifikant erhöht. Für die bayerischen Standorte Gundremmingen, Isar und Grafenrheinfeld liegt sie zusammen um 35% höher als in deren weiterer Umgebung.
Typ: Siedewasserreaktor
Nennleistung: 1344 MW
Inbetriebnahme: 1984
Laufzeitende nach dem Atom-Konsens: 19.7.2016
Betreibergesellschaft: Kernkraftwerk Gundremmingen Betriebsgesellschaft mbH (75% RWE Energie AG, 25% E:ON Kernkraft GmbH)

Ernsthafte Störfälle: für Block B keine bekannt geworden

Lokaler Widerstand: siehe Block A

Der Block C

Details siehe Block B
Typ: Siedewasserreaktor
Nennleistung: 1344 MW
Inbetriebnahme: 1985
Laufzeitende nach dem Atom-Konsens: 18.1.2017
Betreibergesellschaft: Kernkraftwerk RWE-Bayernwerk GmbH

Ernsthafte Stöfälle: für Block C keine bekannt geworden

Das AKW Isar/Ohu 1, Bayern

Der AKW-Standort Isar gilt aufgrund seiner geographischen Lage als besonders gefährdet durch Flugzeugabstürze. 1988 wäre es fast zu einer Katastrophe gekommen (s.u.). Nach einer Studie ist die Kinderkrebsrate im Wohnumfeld von 15 km um das AKW signifikant höher als im weiteren Umfeld. Auch Isar 1 zählt zu den sechs Siedewasserreaktoren in Deutschland, die trotz der massiven Sicherheitsmängel noch immer laufen.


Typ: Siedewasserreaktor
Nennleistung: 907 MW
Inbetriebnahme: 1979
Laufzeitende nach dem Atom-Konsens: 21.3.2011
Betreibergesellschaft: Kernkraftwerk Isar-1 GmbH (50% E.ON Bayern AG,
50% E.ON Kernenergie GmbH)

Ernsthafte Zwischenfälle:
Am 30. März 1988 wäre es nach dem Absturz eines französischen Kampfflugzeugs (Mirage) in nur zwei Kilometer Entfernung vom AKW beinahe zu einer Katastrophe gekommen. In diesem seinerzeit häufig für Kampfübungen genutzten Luftraum galt der Kühlturm der Atomanlage als beliebte Wendemarke.

Lokaler Widerstand: Gegen das AKW Isar gab es in den 1970er Jahren die ersten bayernweiten Anti-Atom-Demonstrationen, so beispielsweise 1977 mit 2.000 Demonstranten gegenüber 10.000 Polizisten.

Der Block 2

Der Kraftwerksblock 2 war im Jahre 2000 das AKW mit der größten Stromleistung der Welt. 2001 ging das Prahlen eines Kraftwerksmitarbeiters durch die Presse, er habe Sicherheitsgutachter des TÜV hinters Licht geführt.

Typ: Druckwasserreaktor
Nennleistung: 1450 MW
Inbetriebnahme: 1988
Laufzeitende nach dem Atom-Konsens: 9.4.2020
Betreibergesellschaft: Kernkraftwerk Isar-2 GmbH (35% E.ON Bayern AG,
40% E.ON Kernenergie GmbH, 25% Stadtwerke München)

Lokaler Widerstand:
Ein 1984 gerichtlich erwirkter Baustopp gegen Isar 2 konnte aufgrund der finanziellen Risiken des Prozesses für die private Klägerin nicht weiter verfolgt werden. Auch die über 10.000 Einwendungen blieben erfolglos.

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